Als ich vor mittlerweile über einem Jahr meine Magisterarbeit über Weblogs im Journalismus geschrieben habe, war das Wissen darüber, was unter einem Weblog zu verstehen und was damit zu tun ist noch so rar verbreitet und Journalisten.
Mittlerweile haben Weblogs sowohl als Recherchequelle als auch als Kommunikationsmittel ihren festen Platz im Redaktionsalltag. Auch wenn sich das Vorurteil hartnäckig hält, Blogger würden lediglich ihren Informationsmüll im world wide web abladen. Aber die deutschen Medien tun sich immernoch schwer mit der konsequenten Einbindung von Weblogs in ihre Online-Angebote.
Heribert Seifert schrieb kürzlich auf NZZ Online folgendes Fazit über bloggende Medien in Deutschland.
So bleibt derzeit der Eindruck, dass die Blog-Expansion etablierter Medien nur in Ausnahmefällen ein relevantes publizistisches Ergänzungsangebot darstellt, das oft nicht einmal attraktiv placiert ist. Zu viele uninspirierte, nur als Pflichtprogramm betriebene Blogs, die von knausrigen Verlagen vor allem als Landnahme auf einem weiteren Medienspielplatz ohne Bereitschaft zu Investition und netzspezifischem Engagement installiert werden, zeugen nicht gerade von Vitalität und journalistischer Phantasie.
Die Frage, mit der ich mich in meiner Arbeit beschäftigt habe, lautete, wie das Mediengenre Weblog vom Traditionsjournalismus adaptiert und instrumentalisiert werden kann. Welche Formen redaktioneller Weblogs gibt es, welchen Mehrwert bringen sie für den Journalismus, und welche Hindernisse bestehen bei ihrer Nutzung? Im Fokus stand dabei die Frage, ob Weblogs dazu beitragen können, die Interaktion mit dem Publikum zu stärken.
Dahinter stand die Idee, Redaktionen – sei es beim Fernsehen, im Radio oder Print – könnten Weblogs als Corporate Blogs nutzen und über sie einen Dialog mit ihren Zuschauern, Zuhörern und Lesern anregen, der ihnen bisher verwehrt war.
Im Rahmen der Arbeit wurde ein Studie bei einem deutschen Fernsehsender durchgeführt, um das Wissen über Weblog und die Bereitschaft zu Ihrem Einsatz zu messen. Das Ergebnis war nicht niederschmetternd, aber doch enttäuschend: Weblogs wurden nicht als Medium zur Interaktion wahrgenommen, sondern als reines Distributionsmedium. Das Ziel der Nutzung, soweit sie in Betracht gezogen wurde war allein die Publikumsbindung, nicht jedoch eine Publikumsbeteiligung und schließlich herrschte zwar die Meinung vor, man solle sich als Medienunternehmen an dieser Form der Online-Kommunikation beteiligen und Präsenz zeigen, jedoch war niemand bereit selbst mitzumachen. Was fehlt ist das Erkennen eines Nutzen.
In der Arbeit kam ich daher zu folgendem Fazit
Seiner Funktion der gesellschaftlichen Selbstverständigung wird der Journalismus nicht gerecht, solange er gesellschaftliche Wirklichkeitssegmente zugunsten seiner Strukturerhaltung völlig ausblendet. In diesem Sinne sollte der Journalismus sein Publikum als segmentiert nicht nur in der Nutzungsart, sondern auch in Bezug auf seine Nutzungsintensität betrachten. Das aktive Publikum muss dann ebenso bedient werden wie das passive. Eine engere Verzahnung des Online- und Offline-Bereichs ist dafür unabdingbare Voraussetzung. Die Aufgeschlossenheit gegenüber dem Weblog als Medium bleibt für den Journalismus letztlich ohne Nutzen, solange er sich vor den spezifischen Funktionen verschließt, die dieses Medium zur Interaktion mit dem Zuschauer, Zuhörer und Leser bereitstellt.
Der Theorieteil der Arbeit, der sich mit der kommunikationssoziologischen Verortung des Weblogs als Mediengenre auseinandersetzt, kann hier heruntergeladen werden >