Living Stories: Google startet neues Format des Storytellings

Die Stärken der Google Nachrichtenseite: Überblick – Tiefe – Kontext – Interaktivtiät

googe_livingstoriesIn dieser Woche hat google uns mal wieder gezeigt, wie mit der einfachen Aufbereitung und Neusortierung von Daten, Informationen vermittelt werden können. Ist google der bessere Newsmaker? Nein, soweit wollen wir nicht gehen, aber google hat Mittel, verborgen in Algorythmen, die einer journalistischen Geschichte zu mehr Wert und Nachhaltigkeit verhelfen. Die Rede ist von Living Stories, einem Projekt, das google in Kooperation mit der New York Times und der Washington Post gestartet hat. Die Seite liefert einen thematischen Zugang zu Nachrichten, statt des gewohnten Zugangs über einen Artikel. Derzeit werden hier acht Geschichten in Nachrichten und Infografiken zu Themen wie Globale Erwärmung oder dem Krieg in Afghanistan erzählt. Themen, die sich geradezu aufdrängen, (noch)mal im Ganzen erzählt zu werden.

Auf den ersten Blick ist Living Stories daher auch nicht viel mehr als ein Dossier, das wir zu den verschiedensten Themen, und aktuell garantiert zum Klimagipfel, auf annähernd allen Nachrichtenseiten finden. Aber dieses Dossier aktualiert sich von ganz allein, und es ist anzunehmen, das es sich zum Großenteil auch datenbasiert ganz allein aufgebaut hat. Über ein Template sozusagen, in das jede Geschichte hineinpasst. Ob und wie stark noch redaktionell nachgearbeitet werden muss ist nicht klar.

Die Geschichten auf Living Stories leben durch ihre Dynamik. Die News-Seite gibt erst einen schnellen Einblick in ein Thema und eröffnet dann die Möglichkeit, tiefer in eine Geschichte einzusteigen. Darüber hinausgehend kann ich dann ständig die Weiterentwicklung eines Themas verfolgen. Das macht besonders viel Spaß bei der Verwendung der Timeline, die mir die Nachrichtenartikel im Zeitverlauf anzeigt. Die Geschichte wächst und wächst in der Interaktion mit dem User.

Wer sich ein wenig durch die Seite klickt stellt schnell fest, welches Potential diese Nachrichtenaufbereitung in sich trägt. Der User, der hier ein Thema aufschlägt, wird dazu animiert, sich etwas mehr Zeit zu nehmen, sich mit den Hintergründen zu beschäftigen, bis in die Tiefe zu informieren,noch einmal genauer nachzulesen. Hintergrundinformation. Das erinnert eigentlich nicht so sehr an Online-Nachrichten, das erinnert vielmehr an die Stärke der journalistischen Traditionsangebote wie Zeitungen und Zeitschriften. Eben diese Stärke wird hier aufgegriffen und sichtbar und erlebbar gemacht. Google ist damit wiedermal einen Schritt weiter als viele Nachrichtenanbieter. Es zeigt einen Weg auf, den sie schon allein hätten verfolgen sollen. Die strukturierte, Orientierung schaffende Präsentation ihrer Nachrichten, seien es Artikel, Grafiken, Comics oder Videos. Alles schnell zusammengetragen und kontextualisiert, erzählt die ganze Geschichte einer Nachricht.

Wie die New York Times berichtet, möchte Google Living Stories auch kostenlos zur Implementierung auf Nachrichtenseiten anbieten. Das könnte eine schöne Alternative sein zu Dossiers oder ganz einfach zu Suchergebnissen, die ohnehin oft auf der google-Suche basieren. Suche ich heute bei ZEIT Online oder der Sueddeutschen Zeitung nach dem Stichwort Globale Erwärmung, erhalte ich eine lange Artikelliste. Ein Ergebnis in Gestalt von googles Living Stories würde dem User hier sicher eher weiterhelfen.

Für Google selbst und dessen User wäre sicher eine Verknüpfung verschiedener Nachrichtenangebote zu einem Thema spannend. Was wäre, wenn ich mir aus meinen favorisierten Nachrichtenanbietern meine Living Story zu einem Thema generieren lassen kann?

Bisher wurden auf der Seite noch lange nicht alle Möglichkeiten, die das Web derzeit bietet ausgeschöpft. Vor allem Funktionalitäten des Social Web wie die Verknüpfungen mit Sozialen Netzwerken, Sharing-Funktionen oder das schlichte Bookmarking fehlen noch. Paul Bradshaw schreibt in seinem Beitrag auf Online Journalism-Blog über das Tool, ihn habe die Kommentarfunktion überzeugt. Kommentare ließen sich sogar embedden. Mir erschien die Einbindung von Kommentierungsmöglichkeiten bisher eher als ein Schwachpunkt der Seite. Auch die Darstellung könnte noch etwas Webfreundlicher gestaltet werden. Rein optisch hebt sich diese Nachrichtenseite nicht stark von einem üblichen google-Suchergebnis ab. Viel Text, kleine Bilder. Hier besteht also noch Optimierungspotential, das ja vielleicht auch von den Nachrichtenanbietern selbst übernommen werden kann.

Eine kurze Vorführung von Living Stories können Sie sich in diesem kurzen Video von Read Write Web ansehen.

Kategorie: Allgemein, Journalismus and tagged , , , ,
permalink
Kommentare RSS zu Living Stories: Google startet neues Format des Storytellings
Diesen Artikel kommentieren oder trackback setzen: Trackback URL

Post a Comment

Your email is never published nor shared. Required fields are marked *

*
*

You may use these HTML tags and attributes: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>